| Fußballweltmeisterschaft
1966 England Olaf Edig, Daniel Meuren & Nicole Selmer
Drin oder nich drin? Das Wembley-Tor und seine Folgen
Der berühmteste Treffer der Fußballgeschichte löst noch heute
Diskussionen aus - zumindest in englischen Taxis Franz Beckenbauer
erzählt gern, was ihm in englischen Taxis regelmäßig wiederfährt:
"Wenn ich da einsteige, plaudere ich spätestens nach ein paar Sekunden
mit dem Fahrer übers Wembley-Tor", berichtet der "Kaiser"
von seinen Staatsbesuchen auf der Insel. "Wenn das Tor nicht gegeben worden
wäre, würde ich wohl schweigend neben dem Taxifahrer sitzen." Doch
das Seelenleben des redseligen "Kaisers" ist bekanntlich gerettet. Die
lange Wirkungsgeschichte des denkwürdigsten Treffers der Fußballgeschichte
beschert immer noch heute reichlich Diskussionsstoff. Noch Jahrzehnte
später taucht mal eine Meldung in der internationalen Presse auf, immer wieder
mal profileren sich Forscher auf populärwissenschaftlichten Terrain mit angeblich
neuen Erkenntnissen zum "Tor der Tore". Neue trimetrische Messmethoden
werden gerne der Öffentlichkeit präsentiert als Beweismittel dafür,
dass der Ball drin oder eben nicht drin war. Begonnen hatten die Debatten natürlich
schon unmittelbar nach dem historischen Moment. Nachdem Wolfgang Weber den von
der Torlinie (oder doch dem Bereich hinter der Linie?) ins Feld prallende Ball
über den Querbalken hinweg ins Toraus befördert hatte, jubelten zunächst
einmal die Engländer. Roger Hunt, der unmittelbar vor Weber in aussichtsreicher
Position für einen Nachschluss bereit stand, machte nicht einmal Anstalten,
sich ins Kopfballduell mit Weber zu stürzen. Stattdessen drehte er zum Jubeln
in Richtung Geoff Hurst ab. Spitzfindige Analytiker waren bald der Meinung,
dass Hurst so überzeugend jubelte, dass er damit Linienrichter Tofik Bachramow
zu dessen folgenden Entscheidung trieb, Schiedsrichter Gottfried Dienst gegen
dessen ersten Eindruck von einme Torerfolg der Engländer zu überzeugen.
Ein Jahr nach dem Finale äußerte sich Bachramow in der Tat in dieser
Richtung: "Ich habe nicht gesehen, dass der Ball im Tor war. Aber ich sah,
wie der Engländer Hunt nach dem Schuss von Hurst seine Arme hochriss. Ich
sah auch, dass der deutsche Torwart einen untröstlichen Eindruck machte.
Deshalb muss es Tor gewesen sein". Andere, noch spitzfindigere Beobachter
waren übrigens der Ansicht, dass Bachramow das Tor wohl nicht gegeben hätte,
wenn Weber den Ball im Spiel gehalten hätte. Reine Spekulation.
(uitg. Agon)
isbn: 9783897842083 prijs: € 24,00 verschenen maart 2006 Duitstalig
uit voorraad leverbaar; verzendkosten € 1,95
Agon WM-Geschichte Band 8 <afbeelding uit het
boek>
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